Jahresbericht der Aktivitäten des Murmelmuseums Sachsenbrunn 2017

 

Von der Munition zum Spielzeug

Im Namen der Murmel waren wir auch 2017 viel unterwegs in Museen, auf Burgen und Veranstaltungen. Im Heimatmuseum Dinkelsbühl fand ich Belege, dass die Ursprünge der Murmelsäckchen in Munitionsbeuteln aus Leder, später Stoff, liegen. Die Landsknechte schon im 14. Jh. trugen diese an gekreuzten Schulterriemen zusammen mit Schwarzpulverfläschchen und Langstichwaffe. Irgendwann spielten auch die Kinder mit den Stein-, Eisen- und Bleikugeln.

Einige Expeditionen brachten „Jagderfolge“ wie die Replik einer Hakenbüchse auf dem historischen Markt der Burg Weichenfels in der Fränkischen Schweiz. Zur modischen Unterstützung meiner Museumsführungen erwarb ich einen Rokoko-Gehrock, passend zu vorhandenem Dreispitz und Schuhen. Ein „Wildererstutzen“ (Perkussionsgewehr; Suhl 1827, schneller Trennverschluß Schaft und Lauf) wird die Ausstellung bereichern.

Der gemeinnützige Verein „ Murmelmuseum Sachsenbrunn e.V.“ und seit März 2017 ein staatlich geförderter Mitarbeiter unterstützen mich tatkräftig. Der Museumswart Steffen Gennert aus Poppenwind engagiert sich leidenschaftlich für das Murmelmuseum und ermöglicht wochentägliche Öffnungszeiten. So konnte die Zusammenarbeit mit dem Schullandheim Schirnrod intensiviert und mehr Kindern die Welt der Murmeln nahegebracht werden. Vorbeikommende Urlauber (spontan oder telefonisch vorangemeldet), in den Ferien auch Familien und Jugendgruppen, Vereine und Wandergruppen sind begeistert von dem Ambiente und der doch nicht so kleinen Welt der Murmel. Eine sich ins Ambiente einfügende Treppe mit Geländer als leichterer Zugang zu Mühlrad, Kugelmühle und  Museumskeller konnte Steffen wegen des vielen Regens und frühen Schnees nicht ganz fertigstellen. Ich fertigte ein Fotobuch über das Murmelmuseum. Jetzt folgt noch ein Buch mit Detailaufnahmen. Es wurde von mir  ein Konzept zur Umwandlung meiner zeitaufwändig zusammengetragenen Regergen, die in gesamt Deutschland gemacht werden, erarbeitet.

Wir hoffen, demnächst mit Fördermitteln aus den vorhandenen originalen Maschinen eine Schaumurmelproduktion aufbauen zu können.

Unsere Mission „Murmelregion Eisfeld“ hat mit Heiko Heine (Museumsleiter „Schloss Eisfeld“) einen aktiven Mitstreiter. Durch die „Alltäglichkeit“ der ursprünglich      „Arme-Leute-Arbeit“ in der Märbelherstellung aus Kalkstein und Ton wird das darin erhaltene (Industrie-) Kulturerbe verkannt und erhält noch nicht die erforderliche Wertschätzung!

 Bei unseren Expeditionen stelle ich zumeist fest, dass selbst aktiven Schützen die Verwendung von Märbeln als Munition nicht bekannt ist, aber  Sachkundigere (s.a. Fachliteratur) einen Einsatz nach dem 14. Jh.  erwähnen.

Im Fichtelgebirgsmuseum Wunsiedel fand ich das erste Mal  eine ca. 90 Jahre alte Murmelschachtel aus unserer Region! Aus dem dortigen Specksteinabbau wurden unter anderem  auch Flintkugeln  hergestellt.

Viel Zeit und Aufwand investierte ich in die Pflege und den Ausbau der Ausstellungsräumlichkeiten und des Geländes. In ca. einem halben Jahr können bis zwei Dutzend Murmelfreunde in unser Museumsstube am offenem Feuer ein kleinen Imbiss zu sich nehmen.

Ganz besonders unseren kommunalen Entscheidern sei erlebbare Heimatgeschichte empfohlen.

Wir wünschen eine friedliche und besinnliche Weinacht

 

Museumsleiter und Vereinsvorsitzender Axel Trümper

 

Sachsenbrunn im Januar  2018