Die Steinkugelgeschichte
 

Steinkugeln 1 kl

Herstellung der Steinkugeln und deren Verwendung - Ölbild 160 x 100   vom Bildhauer Axel Trümper
 

Der Ursprung der Steinmärbelindustrie im südthüringisch - oberfränkischen Raum liegt im 17. Jahrhundert. Österreichische Protestanten wurden aus Glaubensgründen vertrieben. So haben sich einige Märbelherstellung  hier in dieser Gegend niedergelassen, da sie die geologische Beschaffenheit ideal fanden. Mehrschichtiger Muschelkalk eignet sich für die Kugelherstellung.  Den Rohstoff für die Steinmärbeln lieferte die unterste Schicht  des mittleren Muschelkalk, die sich etwa 3 - bis 5 m tief unter der Erde befand und 30 bis 100 cm stark war. Die Steinmärbelindustrie fundierte auf drei Hauptproduzenten: Das waren erstens die Steinbruchbetreiber, die den Muschelkalk abbauten. Das Herausgaben dieser Steinplatten war eine äusserst mühevolle Arbeit, zumal man nur mit Pickel und Schaufel ausgestattet war. Zum zweiten gab es in unseren Orten zahlreich den Beruf der Märbelpicker: Sie klopften meist in Heimarbeit den Muschelkalk zu kleinen eckigen ( 1,5 bis 2 cm ) Würfeln, wenn nötig auch in der guten Stube. Der Arbeitstag der Märbelpicker hatte weit über 12 Stunden am Tag. Wer geschickt war , schaffte in dieser Zeit an die 10.000 Stück Ohschrokken. Die Arbeit war sehr gesundheitsschädigend. Leider war der Lohn für diese Mühen sehr gering. Für 1000 Rohlinge erhielt man nur 24 Kreuzer, das entspricht etwa 0,30 € Cent. Geht man von einer Tagesleistung von 8000 Stück aus, so bekam der Arbeiter dafür 2,74 €. In Kirchenchronikdokumenten von 1851 ist sogar die Rede von nur 7 - 8 Kreuzern pro Tausend Stück.
Diese schweren Arbeiten wurden bis spät in die Nacht bei kargen Licht ausgeführt. Es gab wohl zu dieser Zeit kaum einen Jungen zwischen 12 und 14 Jahren in den Dörfern, welcher nicht diese Tätigkeit erlernen musste. Nach der Schule und in den Ferien ging es mit Hammer und Sack und einem trockenen Stück Brot nach dem Steinbruch, um Märbeln zu klopfen. Auf dem Heimweg abends wurden die kleinen Marmor - Quader gleich an die Märbelmühlen verkauft. Jeder Steinklopfer musste die von ihm benötigten Steine selbst beschaffen. Dabei galt es im Sommer. bereits einen Vorrat für den Winter zu schaffen, da durch Frost der Steinabbau unmöglich wurde. Als dritter Bestandteil dieser Industrie sind nun die Märbelmüller zu nennen: Sie bearbeiteten die von den Märbelpickern gelieferten Rohlinge. Die Würfel wurden in den Mahlgängen auf eine Eisenplatte unten und eine dicke Buchenplatte beides mit Rillen so lange geschliffen bis sie Rund waren. Scharfer Sand beschleunigte den Prozess. Der Abfall wurde rings um die Mühlen verteilt oder für kleinere Märbeln verwendet. Der Mahlvorgang dauerte etwa 1,5 bis 2 Stunden. Die in alle Welt verschickten Märbel fanden in erster Linie im 18 ten Jahrhundert als Spielzeugartikel ihren Absatz. Vorher wurden diese Steinkugeln seit der Erfindung des Schießpulvers bei der Sprengung in den Steinbrüchen und Bergwerken verwendet. Nach dem die Sprenglöcher mühevoll mit dem Sternbohrer ( Eisenstange mit aufgeschmiedeter Kreuzschneide ) geschlagen wurden, kam die Sprengladung mit der Lunte (die Zündschnur wurde erst späther erfunden) in das Loch.   Das Sprengloch wurde von oben mit den Steinkugeln verdichtet.  Auf dem Handelsweg von Nürnberg über Coburg - Sachsenbrunn - ( Thüringer Wald ) über Magdeburg weiter nach Hamburg oder Rostock sind die Märbeln ( als Handelswahre für Sprengungen ) mit den alten Segelschiffen - im Kiel der Schiffe - als Ballast für die Überfahrt  zum Beispiel nach Afrika, Indien oder Amerika geschifft und dort als Sprengmärbeln verkauft wurden. Auf der Rückfahrt sind dann andere schwere Handelsgüter nach Europa gebracht wurden.   Im 16. Jahrhundert wurden mit kleinen und grossen Steinkugeln bei Seeschlachten das Segelwerk  der Schiffe zerschossen.  In Europa gab es auch im 17. Jahrhundert Armbrüste die mit Steinkugeln funktionierten. Die Kugelschnepper.    Wir bleiben beim Spielzeug.
 

Kugelschnepper kl

Kugelschnepper ( Depo Waffenmuseum Suhl )

Steinkugel - Fragmente in Massen auf unserem Grundstück

 

Löhner 400

Hans Löhner - der letzte lebende Steinkugelmüller in Thüringen der als Jugendlicher noch Steinkugeln hier hergestellt hat - und so hat er Bücher über die - Märbelherstellung in Südthüringen - geschrieben 

 

 

Steinkugeln 2 kl

Von der Munitionsherstellung zum Spielzeug  Ölbild von Axel Trümper
 

Kogge

Steinkugeln auf Segelschiffen- Verwendung als Schrappneln zum schießen gleichzeitig als Ballast - Ölbild von Axel Trümper